Klima-Narrativ-Guide
Ein Praxisleitfaden in vier Phasen
Weil Lösungen Geschichten brauchen
Einführung
Etwas Grundlegendes verändert sich, und wir alle spüren es. Die Welt, in der wir aufgewachsen sind, taugt nicht mehr als verlässlicher Wegweiser für die Zukunft. Die geopolitischen, wirtschaftlichen und ökologischen Systeme, die das 20. Jahrhundert geprägt haben, stehen alle unter Druck – und der Klimawandel ist dabei eine der treibenden Kräfte.
Die Folgen davon sind überall zu beobachten, seien es schmelzende Gletscher, steigende Prämien für Überschwemmungsversicherungen oder landwirtschaftliche Kalender, die nicht mehr der Realität entsprechen. Die Notwendigkeit zu handeln – sowohl um die Klimaveränderung zu begrenzen als auch um sich klug an die neue Realität anzupassen – ist zur Genüge durch Fakten belegt. Und doch reichen diese Fakten allein nicht aus, um eine Mehrheit zum entschlossenen Handeln zu bewegen.
Die Lücke
Wenn du das hier liest, hast du es wahrscheinlich schon versucht. Du hast argumentiert, Kampagnen lanciert, Gespräche geführt. Und doch bleibt die Lücke zwischen dem, was getan werden sollte, und dem, was tatsächlich umgesetzt wird, schwierig zu schliessen.
Diese Lücke hat viele Ursachen, darunter politische, wirtschaftliche und strukturelle Barrieren. Ein besonders relevanter und gleichzeitig viel zu wenig beachteter Faktor dabei sind die Narrative, anhand welcher Menschen den Klimawandel, seine Ursachen und dessen Bedeutung für ihr eigenes Leben verstehen. Diese Narrative werden bis heute stark von Kräften geprägt, die davon profitieren, wenn sich möglichst nichts ändert. Insbesondere die fossile Energie-Lobby hat stark in Narrative investiert, die Zweifel an Lösungen säen, politische Massnahmen neutralisieren und fossile Energien als notwendig für Bezahlbarkeit und Energiesicherheit darstellen sollen. Diese Narrative sind seit Jahrzehnten dokumentiert und prägen die öffentliche Debatte bis heute.
Ein Praxisleitfaden für deine Klima-Narrative
Um neue Klima-Narrative zu etablieren, reicht es nicht, einfach schädliche Narrative durch bessere zu ersetzen. Glaubwürdige Narrative müssen von Grund auf aufgebaut werden – ausgehend davon, was Zielgruppen bereits wertschätzen und glauben. Doch nicht alle wertschätzen und glauben dieselben Dinge. Daher kann auch kein einzelnes Narrativ bei allen Personen gleich gut ankommen. Dieser Leitfaden bietet daher weder ein fertig ausgearbeitetes Narrativ, noch steigt er direkt beim Formulieren eines solchen ein. Stattdessen startet er beim Verstehen des Kontexts, in dem die neuen Narrative eingebettet werden sollen.
Dieser Leitfaden begleitet dich Schritt für Schritt dabei, Klima-Narrative zu entwickeln, die in den Werten deiner eigenen Zielgruppe verwurzelt sind. Er hilft Kommunikationsschaffenden aufzuzeigen, dass Klimaschutz der Schlüssel zu dem ist, was ihrer Zielgruppe wirklich wichtig ist – und er hilft, Zielgruppen dort abzuholen, wo sie aktuell stehen, um sie dann zum Handeln zu bewegen. Aufbauend auf bestehenden Arbeiten aus den Bereichen Klimakommunikation und Narrativwandel bietet dieser Leitfaden somit einen praktischen und strukturierten Ansatz, um:
- die Narrativ-Landschaft zu verstehen, in der du dich bewegst
- zu erkennen, was Engagement und Handeln blockiert
- wünschenswerte Zukunftswelten zu entwerfen
- diese Zukunftswelten in Narrative zu übersetzen
- Narrative in die Praxis zu bringen und zu verbreiten
Dieser Leitfaden ist eine Zusammenarbeit zwischen Femke Bartels von Catalytic und Clima Now, unterstützt von der Stiftung Corymbo. Wir danken allen herzlich, die zu diesem Projekt beigetragen haben.